Bericht

14.03.2018

Leistungskurs Deutsch des Thomas-Morus-Gymnasiums beeindruckt mit Aufführung von Max Frischs "Andorra"

Das Stück "Andorra" von Max Frisch stammt aus dem Jahr 1961. Dennoch ist es nach wie vor - man möchte sagen leider immer noch - hochaktuell. Diese These bewiesen 16 Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Deutsch der 11. Klasse mit einer ideenreichen, Frischs Stück sozusagen auffrischenden Inszenierung, die sie mit außerordentlicher Spielfreude im gut gefüllten Forum Daun präsentierten.

Die Handlung um den jungen Andri, der von Menschen, die sich für besser als andere halten, zum Juden gemacht wird, der die jüdische Identität letztlich annimmt und getötet wird, ist auf Wesentliches gekürzt. Anstatt Frischs Theaterstück in 12 Bildern in allen Facetten zu zeigen, wird das Stück immer wieder unterbrochen: Ein Darsteller, ein Heft in der Hand, tritt aus seiner Rolle an den Bühnenrand und rezitiert entweder einen eigenen Text als Poetry-Slam oder zitiert z. B. Büchners "Märchen der Großmutter". Jedes Mal werden Probleme des Ich bzw. der Identität in verdichteter Weise konkret. Offenbar ist es ein wesentliches Ziel, den Modell-Charakter des Stückes im wahrsten Wortsinn in den Vordergrund zu rücken, was den jungen Darstellern in sehr eindrücklicher Weise gelingt. Während Frisch die Problematik um die fatale Wirkweise von Vorurteilen und Stigmatisierung paradigmatisch am Antisemitismus veranschaulicht, legt diese Aufführung unter der Leitung von Dr. Felicia Lauer und Maria Gaul den Fokus auch auf andere, täglich begegnende und die Gesellschaft in Atem haltende, die Menschenwürde verletzende Situationen.Es geht um Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass, es geht um Ausgrenzung von Randgruppen und um in Deutschland wieder um sich greifenden Antisemitismus. - Das ist alles sehr aktuell und mündet - geradezu klassisch -am Ende in einen Chor, der den Zuschauer im Refrain dazu auffordert, NEIN zu sagen, sobalder solch menschenunwürdigem Verhalten begegnet.

Spannender kann Theater nicht sein! Die Spannung auf der Bühne, erzeugt von durchweg äußerst diszipliniert agierenden Darstellern, unter denen das Spiel von Tabea Leuschen als Andris Halbschwester Barblin besticht, erfasst den Zuschauerraum, aus dem während der knapp eineinhalb Stunden kaum ein Laut zu hören ist. Dreimal ist man geradezu froh, kurz 'ent-spannen' zu können, indem man Szenenapplaus spendet, nachdem Alysha Molitors virtuoser Gesang zu hören war. Am Schluss erheben sich fast alle Zuschauer aus ihren Sitzen -zu Recht! Mit nach Hause nimmt man nicht nur ein außergewöhnliches Theatererlebnis, sondern auch ein von den Schülerinnen und Schülern gestaltetes Programmheft, das alles enthält, was man bisweilen im professionellen Theater vermisst - nochmals BRAVO!