„Peer Gynt“ auf der Theaterbühne des Thomas-Morus-Gymnasiums

- Schüler und Schülerinnen inszenieren eindrucksvoll das Drama von Hendrik Ibsen -

 

Dieser Peer Gynt ist kein einfacher Typ. Seine Mutter fragt sich verzweifelt, was aus ihm einmal werden soll und prophezeit, dass er verloren ist. Sein Umfeld lehnt ihn ab, weil er ein überheblicher Gernegroß ist, der auf die Gefühle anderer keinerlei Rücksicht nimmt.

Die Schüler und Schülerinnen des 9. und 11 Schuljahres stellen in ihrer Inszenierung den Protagonisten Peer Gynt mit all seinem Egoismus und seiner Verlogenheit in den Mittelpunkt von Ibsens Drama – die Zuschauer sehen ihn in verschiedenen Lebensaltern immer auf der Suche nach sich selbst.

Damit haben sich die jungen Schauspieler zusammen mit ihrer Lehrerin für Darstellendes Spiel, Dr. Felicia Lauer, einen Stoff ausgesucht, der Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen betrifft: Die Frage ist, wie das richtige Leben „geht“.

Peer Gynt phantasiert sich durch die Welt, hat märchenhafte Ansprüche, Prinz, König, gar Kaiser zu werden. Heraus kommen dabei jedoch nur Katastrophen. Seine Jugendliebe Ingrid entführt er von ihrer Hochzeit, lässt sie anschließend aber sitzen. Solveig, die zu ihm steht und ihn liebt, beachtet er nicht; um seine schwangere Geliebte und sein Kind kümmert er sich nicht.

Diese Lebenseinstellung inszeniert das Ensemble des TMG ganz nah am Leben der Jugendlichen selbst. Techno-Beats und Disco-Rhythmen in bester Malle-Manier untermalen die Szenen, in denen Peer Gynt das bunte, pralle Leben in vollen Zügen genießt. Seine Hirngespinste, seine überzogenen Pläne, aber auch seine Suche nach seiner wahren Persönlichkeit oder Anflüge von Zweifeln setzen die Schülerinnen und Schüler in eigenen Rap-Texten um, die von Noah Schmitt, der eine der Peer Gynt Rollen spielt, beeindruckend präsentiert werden.

Die Schülergruppe hat im Unterricht „Darstellendes Spiel“ bzw. „Kultur“ das sehr sperrige Drama aus dem 19. Jahrhundert mit moderner Sprache und aktuellem Inhalt gefüllt. Gynts Bestreben im mittleren Lebensalter durch Waffenlieferungen reich zu werden, wird an die Ereignisse in der Ukraine geknüpft und seine Profitgier mit der gecoverten Version „Alles nur geklaut“ der Prinzen-Band so dynamisch in Szene gesetzt, dass das Publikum spontan „mitging“. So farbenfroh und fantasievoll die Kostüme, so minimalistisch ist das Bühnenbild gehalten: Nur ein Krankenbett symbolisiert Peer Gynts (emotionales) Zuhause. Alles andere wird durch den Körpereinsatz der jungen Schauspieler dargestellt: Als Peer Gynts Schiff untergeht, hat man das Gefühl, selbst ins Schwanken zu geraten, so realistisch ist die Choreographie der Schauspieler auf der Bühne.

Als der Tod ihm im Alter dann eine letzte Frist gewährt, muss Peer Gynt den Beweis erbringen, dass er sich selbst treu geblieben ist. Der Zuschauer ist fast gerührt, als Solveig anbietet, Zeugnis dafür abzulegen – sie, die zurückgewiesen wurde, aber dennoch geduldig auf Peer Gynt gewartet hat.

Es war ein eindrucksvoller Theaterabend am Thomas-Morus-Gymnasium, der Jugendliche sowie Erwachsene gleichermaßen gepackt hat. Die Spielfreude der Akteure sowie die Auswahl und Bearbeitung der aktuellen Songs beeindruckten die Zuschauer der Abendvorstellung, aber besonders auch die Mitschüler, die sich am nächsten Morgen das Stück ansahen. Sie kamen begeistert aus der Vorstellung. “Uns hat besonders die Musik gefallen. Die Texte haben geholfen, den Inhalt zu verstehen. Das war ganz toll!“, waren sich die meisten Schüler der Klasse 9 einig.